Als eine der wenigen, hast Du es gewagt, vom Kunstturnen in eine komplett andere Sportart, zum Stabhochsprung, zu wechseln. Welche war die schwierigste Erfahrung, die Du dabei gemacht hast?

Den Mut aufzubringen, wieder als Anfängerin zu beginnen, mich aus meiner Komfortzone zu bewegen und Bewegungsabläufe komplett neu erlernen zu müssen. Ich dachte, dass es mir als Turnerin leichter fallen würde, schnell gute Leistungen im Stabhochsprung bringen zu können. Allerdings musste ich dann recht schnell feststellen, dass ich viel schlechter war, als ich erwartet hatte und komplett von null starten musste. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber ich musste beispielsweise erst einmal lernen, richtig zu laufen. Aber genau das – wieder bei Null zu beginnen mit einem großen Ziel vor Augen – macht jetzt für mich auch den Reiz aus, mich dieser Herausforderung zu stellen. Mein großer Traum ist es ja, an den Olympischen Spielen in Rio 2016 teilzunehmen. Ich will, nach meiner Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking als Kunstturnerin, diesen „Olympischen Traum“ nochmals leben und werde dafür mein Bestes geben. Auch wenn ich es nicht schaffen sollte, weiß ich, dass ich dafür alles getan habe. Helfen werden mir sicherlich die Erfahrungen, die ich als Turnerin machen konnte. Ich kenne meine persönlichen Erfolgsfaktoren und weiß, worauf es ankommt, im richtigen Moment die beste Leistung abrufen zu können. Zudem kann ich die Fehler, die ich als Turnerin in meiner Entwicklung gemacht habe, in meiner Karriere als Stabhochspringerin ja jetzt vermeiden.

Lief es in Deiner Karriere als Turnerin eigentlich immer nach Plan oder musstest Du auch unerwartete Niederlagen einstecken?

Nein, es lief nicht immer nach Plan. Und wenn ich genau darüber nachdenke, musste ich schon eine ganze Menge harter Niederlagen einstecken. Aber es gibt wahrscheinlich keinen Sportler – oder ich kenne zumindest keinen – der nie eine Niederlage hinnehmen musste. Das Gute daran ist, dass man dadurch lernt, mit Niederlagen umzugehen und sogar daran wachsen kann. Man erfährt, dass es auch mal schlechte Zeiten geben kann. Aber das wichtigste ist eben, was man für sich daraus ziehen kann. Maria Höfl-Riesch hat einmal gesagt: „Es kommt nicht darauf an, wie oft man hinfällt, sondern wie oft man aufsteht.“ Das kann ich absolut unterstreichen. Niederlagen haben mich insbesondere dann geärgert, wenn ich unter meiner Leistungsfähigkeit geblieben bin wie beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2008. Es ist dann meist eine Gratwanderung: sich nicht zu sehr zu ärgern, aber dennoch im Detail zu analysieren, woran es gelegen hat und dann den Ehrgeiz zu entwickeln, es beim nächsten Mal besser machen zu wollen. Gerade eine gute Analyse hilft mir dabei, meine Leistung in zukünftigen kritischen Situationen abrufen zu können – sei es in einem Wettkampf oder auch in anderen Prüfungssituationen, beispielsweise in meinem Studium.

Du bist Profisportlerin, Medizinstudentin, hältst Vorträge und Seminare – und hast vermutlich auch ein Privatleben. Wie schaffst Du es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich liebe alle Herausforderungen, denen ich mich stelle, und sie spornen mich einfach an, sehr diszipliniert zu leben und zu arbeiten. Da ich bereits sehr früh mit dem Leistungssport begonnen habe, habe ich auch früh gelernt, mich gut zu organisieren, meine Tage einzuteilen und die Zeit, die mir bleibt, sinnvoll zu nutzen. Ich habe große Ziele und Träume und weiß, weshalb ich was tue. Das heißt, ich habe einen Plan, wie ich diese Ziele erreichen möchte. Und mir macht es einfach Spaß, mich an meinen Grenzen zu bewegen und auszuprobieren, wie weit ich es schaffen kann. Disziplin und eine gute Organisation helfen mir auf jeden Fall dabei, meinen Zielen näher zu kommen. Klar, habe ich auch ein Privatleben, das mir sehr wichtig ist, da es für den notwendigen Ausgleich sorgt. Auch hierfür nehme ich mir ganz bewusst Zeit.

Weitere Informationen zu Marie-Sophie Hindermann sind Website Marie-Sophie Hindermann zu finden.

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